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Babyklappe als Schild der Hilfe

("Adventisten heute"-Aktuell, 21.6.2013) Das Büro von Gabriele Stangl, Seelsorgerin des Krankenhauses "Waldfriede" der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Berlin-Zehlendorf, sieht aus wie ein Wohnzimmer. Die Pastorin sitzt auf einem roten Sessel. Neben ihr auf dem Sofa nehmen ihre Gäste Platz. Auf dem Tisch stehen frische Blumen, es gibt Tee und Schokolade. Der helle, warme Raum hat nichts Büromäßiges. Über dem Sofa hängt ein Bild, genau das gleiche wie bei ihr zu Hause, verrät die Krankenhausseelsorgerin in einem Beitrag der Zeitschrift "Diakonie für Sie" des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Erste Babyklappe an einem Krankenhaus weltweit

Die Theologin hat vor knapp 13 Jahren die erste Babyklappe an einem Krankenhaus weltweit eingerichtet. Bis heute befinde sich die grüne Klappe uneinsehbar an einem Seitenflügel des Krankenhauses. Frauen in Notlagen kämen hierher und gäben ihr Kind ab, um das sie sich nicht kümmern könnten. Wenn eine Frau ein Baby in die sogenannte Babywiege lege, werde zeitverzögert der Alarm an der Pforte ausgelöst. Die Frau könne unbemerkt das Gelände verlassen. Ärztinnen und Ärzte versorgten das Baby. Es gebe strenge Standards, die das Krankenhaus selbst entwickelt habe. Das Jugendamt werde informiert, damit das Kind in ein Adoptionsverfahren gegeben werden könne.

Ins Gespräch kommen, Vertrauen fassen

Das alles sei aber nur der letzte Schritt. Gabriele Stangls Erfolg liege darin, dass sie die Frauen meist früher erreiche, so "Diakonie für Sie". "Die Babyklappe ist so etwas wie ein großes Schild, das sagt: Wir helfen dir, ohne dich zu verurteilen", erklärt die Pastorin. Viele Frauen riefen an, um sich zu erkundigen, ob die Babyklappe wirklich anonym sei und ob die Mütter tatsächlich nicht ermittelt würden. So kämen sie ins Gespräch mit der Seelsorgerin und fassten Vertrauen. Die schwangeren Frauen säßen dann auf dem roten Sofa in dem Wohnzimmer-Büro. "Ich sage oft: Leg doch erst einmal deine Beine hoch und entspann dich. Jetzt wird alles gut", berichtet die gebürtige Österreicherin von den Begegnungen mit den schwangeren Frauen. Dann schilderten die Frauen ihre Nöte. Einige seien misshandelt worden, andere in materieller Not oder mit einem Kind überfordert.

Viele Frauen entschieden sich für eine halboffene Adoption

"Gabi", wie die Frauen sie nennen, höre erst einmal zu. Behutsam kläre sie die Frauen über ihre Möglichkeiten auf. Viele Frauen entschieden sich nach den Gesprächen für eine halboffene Adoption. Das bedeute, dass sie ihren Namen preisgäben und ihr Kind allerspätestens im Alter von 16 Jahren die Identität der Mutter erfahre. Außerdem könne die leibliche Mutter das Kind regelmäßig sehen. In diesem Verfahren bekomme auch die Mutter regelmäßig Fotos des Kindes. Jedes Mal, wenn sie eine Frau aus der Anonymität geholt habe und ihr echte Perspektiven hätte zeigen können, sei Stangl überglücklich. Aber im Notfall dürften die Frauen das Kind auch anonym zur Welt bringen.

"Das Wichtigste ist, dass die Frauen nicht alleine sind"

"Das Wichtigste ist doch, dass die Frauen nicht alleine sind", sagt die Pastorin. Sie habe Frauen kennengelernt, die sich in ihrer Angst schon ein Lager im Keller gebaut hätten, um das Kind alleine zur Welt zu bringen. Einige Frauen würden sogar darüber nachdenken, sich das Leben zu nehmen. Wenn sie bei Gabriele Stangl auf dem Sofa säßen, spürten sie, dass sie Hilfe bekämen. Die Theologin organisiere die Untersuchungen für die Frauen und sei auch bei den Geburten dabei.
Viel Zeit bleibe für ein Privatleben nicht, das gibt Gabriele Stangl zu. "Ich brauche sieben Minuten von zu Hause hierher. Ich komme bei Tag und Nacht", erzählt sie. Da passiere es schon einmal, dass der Kaiserschmarrn auf dem Herd anbrenne, weil eine Frau Hilfe brauche. Warum sie das alles macht? "Für mich ist das ein Glaubensprojekt, so lebe ich meinen Glauben", sagt sie. Dann klingelt das Telefon, eine Frau braucht Hilfe, schließt der Artikel in "Diakonie für Sie". (APD)

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