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7. Kongress christlicher Führungskräfte - Rückblick

("Adventisten heute"-Aktuell, 1.3.2011) Knapp 3.800 Besucher nahmen am 7. Kongress christlicher Führungskräfte vom 24. bis 26. Februar in Nürnberg teil - etwa genauso viele wie beim Vorgängerkongress 2009 in Düsseldorf und rund 1.300 mehr als vor sechs Jahren (ebenfalls in Nürnberg).

Unter dem Motto "Mit Werten in Führung gehen" beschäftigten sich Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Kirche in etwa 15 Referaten und mehr als 60 Seminaren aus 15 Bereichen u. a. mit den Themen Wirtschaft und Ethik, Glaube am Arbeitsplatz, christliche Führungsprinzipien, gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen, Work-Life-Balance und Persönlichkeitsentwicklung.

Volker Kauder statt Karl-Theodor zu Guttenberg

Prominente Redner waren der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, die Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU), Marie-Luise Dött, der Gründer der OBI Bau- und Heimwerkermärkte, Manfred Maus, der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Johannes Friedrich, und der katholische Bischof des Bistums Eichstätt, Gregor Maria Hanke.

Volker Kauders Ausführungen zum Thema "Werteordnung statt Beliebigkeit - Globalisierung mit menschlichem Antlitz" stießen auf starke (auch hörbare) Resonanz, besonders bei seiner Aussage, "Ebenbildlichkeit Gottes und Gender-Meanstreaming vertragen sich nicht". Kauder war für Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eingesprungen, der seinen Auftritt am Mittwochabend abgesagt hatte. (Außerplanmäßig fand eine Podiumsdiskussion über die Frage statt, ob zu Guttenberg eine zweite Chance verdient habe.)

Es war sehr wohltuend zu hören, wie viele erfolgreiche Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik sich offen zu ihrem Glauben an Jesus Christus bekannten und die Teilnehmer ermutigten, angstfreier von ihrer Glaubensüberzeugung zu sprechen.

Kritik an Familienpolitik

Immer wieder kamen die Referenten im Plenum und bei manchen Seminaren auf das Thema Kinder und Familie zu sprechen und sparten dabei nicht mit kritischen Bemerkungen zur Familienpolitik der Bundesregierung.

Die Publizistin Gabriele Kuby (Rimsting am Chiemsee) sagte, derzeit tue der Staat alles, um Familien zu zerstören. So sei es eine "himmelschreiende" Ungerechtigkeit, dass Kinderlose sich gleichermaßen wie Eltern aus dem Rententopf bedienen könnten. Der von der schwarz-gelben Bundesregierung veranlasste Ausbau der Kinderkrippen folge der Politik des sozialistischen Politikers Friedrich Engels (1820-1895). Dieser empfahl, Kinder in die staatliche Betreuung zu geben, so dass Frauen in der Produktion arbeiten können. Zudem mache die von der Bundesregierung betriebene Ideologie des Gender Mainstreaming (Gleichheit der Geschlechter) bereits Neunjährige zu Verhütungsexperten, propagiere Homosexualität und führe zu millionenfachen Abtreibungen. Die Familienpolitik benötige eine radikale Umkehr. Kuby: "Wir brauchen nicht Gender Mainstreaming, sondern Familien Mainstreaming."

Muttersein als Beruf anerkennen

Die meisten Eltern wollen ihre Kinder gut erziehen, erleben aber in Deutschland eine im Vergleich zu anderen europäischen Ländern weniger kinderfreundliche Gesellschaft. Diese Ansicht vertrat die Trainerin Barbara von Schnurbein (Regen/Bayerischer Wald) in einem Seminar zum Thema "Beruf, Familie - und auch Zeit für mich". Die Qualität der Kindergärten und Kindertagesstätten müsse besser werden; Kinder sollten dort gefördert und nicht nur betreut werden. Mit mehr Kindergartenplätzen allein lasse sich jedoch keine höhere Geburtenrate erreichen, denn "Krippenplätze erzeugen keine Kinder". Wichtig sei auch ein familienfreundlicheres Steuersystem, in dem Bildungsausgaben abzugsfähig seien: "Stellen Sie sich vier berufstätige Singles und eine vierköpfige Familie im Supermarkt vor: Beide kaufen die gleiche Pizza fürs gleiche Geld." Der Familie stünden aber deutlich weniger finanzielle Mittel zur Verfügung. Höher gewichtet werden müsse auch die Tätigkeit jener Mütter, die ihre Kinder zu Hause erziehen. Von Schnurbein: "Wir sollten lauter fordern, dass Muttersein als Beruf anerkannt wird."

Die ersten drei Lebensjahre den Kindern widmen

Die Fachärztin für Kinderheilkunde und Familientherapeutin Maria Steuer betonte in einem Seminar - wie auch zuvor in einer heiß geführten Plenumsdiskussion - die wissenschaftlich erwiesene Bedeutung der ersten drei Jahre im Leben eines Kindes. Sie kritisierte auch das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Sie stehe nicht für die drei "K" (Kinder, Küche, Kirche), sondern für drei "Z": Zeit, Zuwendung und Zärtlichkeit. Wenn es einer Familie finanziell möglich sei, sollte die Mutter in den ersten drei Jahren mit dem Kind zu Hause zu bleiben, dann Teilzeit und später Vollzeit zu arbeiten. Heute seien viele Frauen nicht aus eigenem Wunsch erwerbstätig, sondern weil das Geld sonst nicht reiche. In Frankreich seien Eltern ab dem dritten Kind von der Einkommensteuer befreit, in Deutschland rutschten sie ab dem dritten Kind in die Armut ab. Die deutsche Familienpolitik müsse endlich die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt stellen. Wenn Kinder in den ersten drei Lebensjahren Bindung und Urvertrauen vermittelt bekämen, seien sie weniger anfällig für Gewalt und Drogen. Kinder würden bleibend in ihrer Entwicklung geschädigt, wenn man sie noch vor ihrem dritten Geburtstag aus der engen Bindung zu den Eltern reiße und sie in eine Krippe gebe. Kinderunfreundlichkeit sei aber nicht das größte Problem in Deutschland, sondern vielmehr, dass sich immer weniger Menschen für ein Kind entscheiden, sagte Steuer.

Preis für christliche Führungskräfte zum vierten Mal verliehen

Der "Preis für christliche Führungskräfte" wurde gleich am ersten Kongresstag vergeben. Mit der Auszeichnung, die bereits zum vierten Mal verliehen wurde, werden Führungskräfte geehrt, die auf vorbildliche Weise christliche Werte in Wirtschaft, Gesellschaft, Verwaltung oder Wissenschaft vermitteln. Die Preise erhielten die Unternehmer Helmut Mohr (Selbitz), die Brüder Burkard und Frank Erbacher (Kleinheubach bei Aschaffenburg) sowie die Geschäftspartner Helmut Rosskopf und Martin Funck. Alle seien engagierte Christen und hätten als Unternehmer Außergewöhnliches geleistet, hieß es zur Begründung von der Jury.

Emotioneller Höhepunkt am Freitagabend

"Lebenslinien" hieß das Programm am Freitagabend, das wohl die Herzen aller Besucher berührt haben dürfte: Unter den Gästen auf der Bühne war der Vater des 23-jährigen Samuel Koch, der in der ZDF-Sendung "Wetten, dass ..." vom 4. Dezember bei einem Sprung über ein Auto schwer stürzte und seitdem querschnittsgelähmt ist. Er berichtete, dass Samuel nachts viel wach liege und über den Unfall nachdenke: "Dann hat er heftige Zeiten mit Gott, er fragt nach dem Sinn, er will die Nähe Gottes spüren - und er will wieder laufen können." Er glaube weiter an Samuels Gesundung, auch wenn die medizinischen Prognosen nicht sehr vielversprechend seien, so Christoph Koch. Durch den Unfall habe sich die Familie nicht von Gott entfernt; das Gegenteil sei der Fall.

Ebenfalls zu Gast an diesem Abend war der Schwager des im Jemen entführten Familienvaters Johannes Hentschel, Pastor Reinhard Pötschke. Seit die fünfköpfige Entwicklungshelferfamilie im Juni 2009 verschwunden ist, gibt es von den Eltern Sabine und Johannes Hentschel, ihrem Sohn Simon und einem zudem vermissten Briten kein Lebenszeichen. Die Töchter Lydia (6) und Anna (4) kamen im Mai vergangenen Jahres überraschend frei. Zwei deutsche Krankenschwestern sowie eine südkoreanische Lehrerin, die zusammen mit der Familie unterwegs waren, wurden bereits kurz nach der Entführung erschossen aufgefunden. Wie Pötschke sagt, schenke es den Angehörigen bei aller Ungewissheit Kraft und Zuversicht, zu spüren, dass viele Christen für sie beten.

Gern gesehen beim Kongress: das Angebot des DVG

Bei der kongressbegleitenden Ausstellung informierten mehr als 280 Aussteller über eine Vielfalt von Angeboten: Wirtschaftsverbände, Kirchen, Parteien, Medien, Bildungs-, Freizeit- und Therapieeinrichtungen, Werbeagenturen, Missions- und Hilfswerke, Jugendverbände, Reisebüros, Einzelhändler, Bestattungshäuser und Automobilhersteller präsentieren sich den Besuchern.

Nach dem erfolgreichen Einsatz vor zwei Jahren in Düsseldorf wurde der Deutsche Verein für Gesundheitspflege (DVG), eine Einrichtung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, ausdrücklich eingeladen, auch in Nürnberg seine Beratung und Dienste für eine ganzheitliche Gesundheit anzubieten.

Auf 105 qm Standfläche stand ein Team von 26 Helferinnen und Helfern in zehn Stationen den Kongressteilnehmern (und den Ausstellern) zur Verfügung: Sie konnten sich beispielsweise den Blutdruck messen oder die Cholesterin- und Blutzuckerwerte ermitteln lassen. Ein Stresstest und die Messung des Lungenvolumens gaben weitere Auskunft über die körperliche Verfassung an. Wer die Tests absolvierte, erfuhr sein biologisches Alter und konnte sich über eine gesunde Lebensweise beraten lassen. Entspannung gab es zwischendurch bei einer Schulter- und Nackenmassage.

Laut DVG-Geschäftsführer Bernd Wöhner (Ostfildern bei Stuttgart) war auch diesmal nicht die Anzahl der Besucher ausschlaggebend, sondern die Qualität der geführten Beratungsgespräche - und der verknüpften Kontakte mit anderen Institutionen und Veranstaltern. Und wie bei anderen Einsätzen auch lösten die "Ruhetagschilder" am Sabbat interessante Gespräche aus.

STIMME DER HOFFNUNG erstmals dabei

Zum ersten Mal war das adventistische Medienzentrum STIMME DER HOFFNUNG (Alsbach-Hähnlein) mit einem Informationsstand vertreten. Ein kleines Team stellte die 24-Stunden-TV- und Radiosender "Hope Channel TV" und "Hope Channel Radio" vor.

Gabi Pratz, Chefredakteurin des Fernsehprogramms, freute sich darüber, dass sehr viele Kongressteilnehmer "Hope Channel TV" kennen und schätzen. Wer das Angebot bisher nicht kannte, erfuhr am Stand etwas über die Inhalte: Filme, Naturvideos, Reportagen, Berichte von Events und Veranstaltungen, Talkrunden, Sendungen zum Thema Gesundheit, Wellness, Natur, Geschichte und Archäologie, Magazinsendungen, Konzerte, Kindersendungen, Fragen an die Bibel sowie Andachten und Gottesdienste.

Die Zehn Gebote als Maßstab

Nach dem beachtenswerten Referat "Worauf wir uns verlassen können" von idea-Leiter Helmut Matthies verabschiedeten die Kongressteilnehmer eine Abschlusserklärung. Die zurückliegende Wirtschaftskrise habe gezeigt, "dass ohne ein ethisches Fundament keine Wirtschaftsordnung dauerhaft zum Wohl aller Menschen funktionieren kann", heißt es in der "Nürnberger Erklärung". Basis für ein erfolgreiches und soziales Handeln seien die Maßstäbe Gottes für die Menschen, wie sie beispielhaft in den Zehn Geboten zum Ausdruck kämen. Wer sich an diesen Maßstäben orientiere, bemühe sich um Integrität, Ehrlichkeit, Fleiß, Verlässlichkeit, Barmherzigkeit und Fairness in allen Lebensbereichen. Er lehne Korruption, Betrug, unfaire Löhne, überzogene Gehälter und Abfindungen ebenso ab wie Habsucht, Neid, Geiz und üble Nachrede ...

Unternehmer und Kirchen ziehen positive Bilanz

Viel Lob aus Unternehmerkreisen, Kirchen und der evangelikalen Bewegung hat diese 7. Ausgabe des Kongresses erhalten. So meinte beispielsweise Stephan Klinghardt (Karlsruhe), Geschäftsführer des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer (AEU), der Kongress habe "an inhaltlicher Breite, an Attraktivität durch die Diskussion auch kontroverser Positionen sowie an neuen Angeboten und Formaten gewonnen". Das gegenüber dem letzten Kongress 2009 in Düsseldorf bereits erweiterte Angebot an Seelsorge, Beratung und Coaching habe die große Nachfrage allerdings abermals nicht befriedigen können und sollte in zwei Jahren noch weiter entwickelt und ausgebaut werden.

Der nächste Kongress christlicher Führungskräfte findet vom 17. bis 19. Januar 2013 in Leipzig statt. Veranstalter ist die Evangelische Nachrichtenagentur idea in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung "tempus-Consulting" (Giengen bei Ulm). (idea/APD/edp)

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