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1. Bildungskongress der Siebenten-Tags-Adventisten in Darmstadt

("Adventisten heute"-Aktuell, 22.5.2015) Über 160 Lehrkräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen vom 14. bis 16. Mai am ersten adventistischen Bildungskongress im Schulzentrum Marienhöhe der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten teil. Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Auf die Lehrer kommt es an!". Sie wurde vom Verbund adventistischer Schulen in Deutschland (VaSiD) durchgeführt.

"Je mehr Beschränkungen, desto mehr Beschränkte"

"Wer den Menschen misstraut, dass sie selber die richtigen Entscheidungen treffen können, muss sie mit Warnhinweisen umstellen", gab Pastor Johannes Naether, Hannover, Vorsitzender der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, zu bedenken. Eine Lehrkraft müsse sich deshalb die Fragen stellen: Sehe ich im Kind oder Jugendlichen einen Menschen, der das Potential zur Mündigkeit und Selbstverantwortung in sich trägt und dem ich die Begleitung zur Entfaltung dieser Möglichkeiten bereitstelle? Oder sehe ich im Schüler eher jemanden, der vor seiner Unvernunft und seinen latent angelegten Schwächen bewahrt und geschützt werden muss? Lehrkräfte sollten sensibel mit Vorschriften und Regeln umgehen. Naether formulierte es drastisch: "Je mehr Beschränkungen, desto mehr Beschränkte." Die Grundausrichtung Vertrauen oder Misstrauen sei entscheidend, um helfen zu können, die Persönlichkeit der Schüler und Schülerinnen herauszubilden.
Der Leiter des Schulzentrums Marienhöhe, Gunter Stange, ergänzte: Es gelte die Lehrpläne auf das "wahre Leben" umzuschreiben, um den Lehrstoff einer künftigen Generation zu vermitteln.

Veränderungen sind möglich, wenn die Realität anerkannt wird

In einem Grundsatzreferat befasste sich Dr. Thomas Steininger, Darmstadt, mit der Frage: "Was macht eine für Schüler förderliche Lehrerpersönlichkeit aus?" Der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut mit eigener Praxis, Schulpsychologe am Schulzentrum Marienhöhe sowie Professor für Kinder- und Jugendlichen-Seelsorge und Psychotherapie an der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg, ging von der Grundannahme aus: "Jeder Mensch hat im tiefsten Inneren den Wunsch, ganz und gar erkannt und trotzdem ganz und gar geliebt zu werden." Dazu gehöre, dass sich ein Kind mit einem reifen Erwachsenen identifizieren möchte, wenn dieser von den Wachstumsmöglichkeiten des Kindes überzeugt ist. Veränderungen seien nur möglich, wenn die Realität anerkannt werde wie sie ist und nicht, wie man sie gerne hätte.

Über Werte ins Gespräch kommen

Dr. Thomas Bürger, Oberstudienrat am Institut für Sozialpädagogik und Didaktik der Sozialwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen, befasste sich mit der Rolle von Werten beim Unterrichten. Er stellte fest, dass ein Wandel von Werten gleichzeitig mit einem Werteverlust verbunden wäre. Werte seien aber auch kulturell bedingt. Die PISA-Studien zeigten für Deutschland, dass hierzulande Schüler bessere Leistungen erbringen würden, wenn die Distanz zum Lehrer geringer ausfalle, die Individualität des Lernenden gestärkt werde und eine klare Struktur im Unterricht vorhanden sei. Doch das gelte vor allem für Schülerinnen und Schüler aus der heimischen Mittelschicht. Bei Lernenden, etwa mit Migrationshintergrund, könne die Freiheit zur Individualität dahin führen, dass die Lernbereitschaft abnehme. Deshalb gelte es über Werte ins Gespräch zu kommen, denn sie hätten ihre Berechtigung in den jeweiligen Kulturen.

Ganzheitliche Bildung

Heinz Schlumpberger, Tübingen, Abteilungsleiter für Bildung des Süddeutschen Verbandes der Siebenten-Tags-Adventisten, stellte das Leitbild für adventistische Schulen in Deutschland vor. Die Grundlage von Bildung und Erziehung sei dabei das christliche Menschenbild. Die Bildungsverantwortung adventistischer Schulen leite sich aus der Würde eines jeden Menschen als einzigartigem Geschöpf Gottes ab. Dazu gehöre die Entwicklung der Fähigkeiten und Begabungen, die Gott als Schöpfer jedem Einzelnen verliehen habe. Diese Begabungen sollten an adventistischen Schulen ganzheitlich, das heißt in kognitiver, körperlicher, seelischer, spiritueller und sozialer Hinsicht entdeckt und herangebildet werden. So würden Kinder und Heranwachsende zu mündigen, werteorientierten und gebildeten Mitgliedern der Gesellschaft erzogen und zum Dienst für die Gesellschaft auf der Grundlage christlicher Werte befähigt.
Schlumpberger wies darauf hin, dass adventistische Schulen von Schülerinnen und Schülern unabhängig von ihrem religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis besucht werden könnten.
In zehn Workshops hatten die Kongressteilnehmer die Möglichkeit, sich über neue Ideen und Anregungen im Schulalltag auszutauschen.

Adventistische Schulen weltweit

Die Siebenten-Tags-Adventisten unterhalten mit weltweit 7.842 Schulen - von der Grundschule bis zur Universität - das größte protestantische Bildungsangebot einer Kirche.
In Deutschland betreibt die Freikirche die Theologische Hochschule Friedensau bei Magdeburg mit den Fachbereichen Theologie und Christliches Sozialwesen, das Schulzentrum "Marienhöhe" Darmstadt, mit Gymnasium, Kolleg, Real- und Grundschule sowie Internate, die "Freie Adventschule Oberhavel" Oranienburg-Friedrichsthal (Grundschule), die "Immanuel-Gesamtschule" Oranienburg-Friedrichsthal, die "Andrews-Advent-Grundschule" Solingen, die "Daniel-Schule" Murrhardt/Baden-Württemberg (Grundschule), die "Elisa-Schule" Herbolzheim-Tutschfelden/Baden-Württemberg (Grund- und Realschule), die "Josia-Schule" Isny im Allgäu (Grund- und Hauptschule mit Realschulzweig), die "Advent-Schule" Heilbronn (Grundschule) sowie die "Salomo-Schule" Rastatt (Grundschule). Hinzu kommen fünf Kindergärten (Hamburg, Berlin, München, Fürth, Penzberg/Bayern) und eine Heilpädagogische Tagesstätte für Vorschulkinder in Neuburg/Donau.
Die Freikirche unterhält außerdem das Religionspädagogische Institut (RPI) zur Erstellung von Materialien für die Bereiche Kindergottesdienst und Religionsunterricht sowie zur Ausbildung von Familiendiakoninnen und -diakonen für deren Dienst in den Ortsgemeinden. (APD)

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