Erstmals hat der Lehrstuhl für Religionsfreiheit und Politische Ethik der Freien Theologischen Hochschule (FTH) Gießen drei Personen für Ihren Einsatz für verfolgte Christen ausgezeichnet. Am 27. Januar fand die Verleihung des Förderpreises „Erforschung der Religionsfreiheit und Christenverfolgung“ vor rund 60 Gästen in der Kapelle der Bildungseinrichtung statt. Der Honorarprofessor für Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung an der FTH, Volker Kauder, äußerte sich besorgt über die fortschreitende Christenverfolgung. Fast 400 Millionen Glaubensgeschwister würden verfolgt. „Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Handlungsproblem“, betonte er in diesem Zusammenhang. Neben negativen Entwicklungen, etwa in China, könne er aber auch positive Entwicklungen durch steten Einsatz beobachten. So würden koptische Christen – sie machen etwa zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung aus – von der Regierung mittlerweile nicht mehr als Minderheit in ihrem eigenen Land betrachtet. Kauder rief dazu auf, es den Kopten im Gebet nachzumachen. Sie beteten nicht für ein Ende der Verfolgung, sondern für Stärke inmitten des Widerstandes.
Markus Rode: Jesu Handeln erwarten
Der Leiter des überkonfessionellen Hilfswerks Open Doors (Kelkheim), Markus Rode, wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Der 63-Jährige baute den deutschen Zweig seit 2003 maßgeblich auf. Der Rektor der FTH, Stephan Holthaus, bezeichnete Rode als Visionär: Er habe aus dem einst kleinsten Zweig den heute größten der heute 25 Niederlassungen des Werks weltweit gemacht. Er habe dazu beigetragen, dass das Leid der verfolgten Christen in den vergangenen zwei Jahrzehnten in den deutschen Gemeinden deutlich an Präsenz gewonnen habe. Open Doors sei heute vor allem eine der größten Gebetsbewegungen in Deutschland und weltweit, so Holthaus. Dazu habe Rode beigetragen. Der Open-Doors-Leiter selbst widmete den Preis seinen Mitarbeitern und den anderen Organisationen im deutschsprachigen Raum, die sich ebenfalls für Verfolgte einsetzen: Der Einsatz für sie sei stets eine Gemeinschaftsarbeit, für die es noch viel mehr Menschen brauche. Als Erfolgsfaktor für das deutliche Wachstum seines Werks bezeichnet er neben dem Gebet eine Erwartungshaltung: „Tu, was du kannst und erwarte dann, dass Jesus das tut, was er versprochen hat.“
Nachwuchspreis für Tagespost-Redakteurin
Der Nachwuchspreis der FTH ging an die Journalistin Sina Hartert (Nürnberg). In ihrer 2024 erschienen Bachelorarbeit hatte die Katholikin die Berichterstattung über verfolgte Christen in den deutschen Medien untersucht und Empfehlungen daraus abgeleitet. Die 43-Jährige arbeitet seit Juli 2025 für die katholische Zeitung „Die Tagespost“ im Ressort Ehe und Familie. Zuvor war sie zwei Jahre für „Kirche in Not international“ (Königstein im Taunus) tätig. Aus Sicht des Islamwissenschaftlers Carsten Polanz (Bonn/Gießen) hat Hartert mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit Neuland betreten. So habe sie nicht nur den Status quo abgebildet, sondern durch Interviews mit Redakteuren großer Zeitungen auch Ursachenforschung betrieben. So glaubten viele Vertreter säkularer Medien nicht, dass die Thematik ihre Leser interessiere. Hinzu käme häufig eine religiöse Sprachunfähigkeit, die Redakteure von einer Berichterstattung abschreckten. Auch sei die Angst vorhanden, schnell als islamophob zu gelten oder von Rechtspopulisten missbraucht zu werden. Hartert rief zu einer Ökumene des Handelns für verfolgte Christen auf. Auch die Verfolger unterschieden nicht nach Konfession. Wie viel mehr müssten Christen ihre Kräfte im Einsatz für leidende Geschwister bündeln.
US-Wissenschaftler forschte intensiv über die Türkei
Den Wissenschaftspreis erhielt der US-Amerikaner James Bultema für seine Dissertation. Der 63-Jährige hatte über die Situation der protestantischen Christen zwischen 1961 und 2016 in der Türkei geforscht. Die Missionswissenschaftlerin Meiken Buchholz würdigte die Arbeit Bultemas. Trotz 200 Jahren missionarischer Tätigkeiten in der Türkei, sei die Zahl der Protestanten erst um 1970 gewachsen. 2016 seien es etwa 6.000 Gläubige in rund 160 Gemeinden gewesen. Bultema habe in seiner Arbeit unter anderem aufgezeigt, wie zentral für das Wachstum die Aufnahme der Religionsfreiheit in die türkische Verfassung gewesen sei und die Gründung der Evangelischen Allianz in der Türkei im Jahr 2009. Dennoch habe der Wissenschaftler auch daran erinnert, dass Verfolgung nicht immer mit körperlichen Angriffen einhergehe. In der Türkei zeige sie sich vielmehr darin, dass Christen nicht als vollwertige Türken anerkannt und sogar als Verräter angesehen würden. Wie Bultema der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA erklärte, habe er selbst über 40 Jahre in Antalya als Pastor gearbeitet. Im April 2025 musste er das Land trotz dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung verlassen. Er vermutet einen Zusammenhang mit seiner wissenschaftlichen Arbeit. Der US-Amerikaner plant die Fortsetzung seiner Untersuchung zu den türkischen Protestanten. Heute lebt er im spanischen Malaga. Der Förderpreis soll in Zukunft regelmäßig ausgeschrieben werden.
