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Weltverfolgungsindex: Christenverfolgung erreicht neues Höchstmaß

Von: nicole Datum Beitrag: 16.01.2026 Kommentare: Keine Kommentare Tags: , , ,

Die weltweite Verfolgung von Christen hat einen neues Höchstmaß erreicht. Das geht aus dem am 14. Januar veröffentlichten 33. Weltverfolgungsindex (WVI) des überkonfessionellen Hilfswerks Open Doors hervor. Demnach sind rund 388 Millionen Christen einem hohen bis extremen Maß an Verfolgung ausgesetzt. Das sind acht Millionen Betroffene mehr als im Jahr zuvor. Die Rangliste nennt die 50 Länder, in denen Christen wegen ihres Glaubens am stärksten bedrängt werden. Nordkorea belegt erneut Platz eins im Index. An dieser Stelle steht es bereits seit 2002 und wurde nur 2021 kurzzeitig von Afghanistan abgelöst, das aktuell auf Platz elf rangiert. Christen gelten in dem kommunistischen Land weiterhin als Staatsfeinde Nummer eins. Zehntausende befinden sich in Arbeitslagern, in denen sie systematischer Folter und Hinrichtungen ausgesetzt sind. Der christliche Glaube wird als Gefahr für das Regime betrachtet und daher brutal unterdrückt.

Syrien: Deutlicher Anstieg der Gewalt

Die stärkste Verschlechterung stellte Open Doors in Syrien fest. Das Land rückt von Platz 18 auf Platz 6 vor – ein außergewöhnlicher Sprung in der Geschichte des Index. Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 hätten sich Hoffnungen auf mehr Sicherheit für Christen nicht erfüllt. Mindestens 27 Christen wurden im Berichtszeitraum wegen ihres Glaubens getötet. Die Gläubigen berichteten von Einschüchterung im Alltag, Lautsprecherwagen riefen sie öffentlich zur Konversion auf, und an Kirchen geklebte Zettel verlangten die Zahlung einer Kopfsteuer. Viele Gläubige zögen sich daher aus der Öffentlichkeit zurück. Die christliche Gemeinschaft in Syrien sei weiter geschrumpft und zähle heute nur noch rund 300.000 Mitglieder. Hunderttausende hätten das Land in den vergangenen Jahren verlassen. Eine ähnliche Entwicklung zeige sich im Irak; der Nahe Osten blute durch die anhaltende Christenverfolgung zunehmend aus.

Nigeria: Das „tödlichste“ Land für Christen

Ein weiterer Schwerpunkt der Christenverfolgung liegt in Subsahara-Afrika. 14 Länder dieser Region finden sich im aktuellen Index. Schwache staatliche Strukturen schaffen dem Hilfswerk zufolge ein Machtvakuum, das islamistische Gruppen ausnutzen. Christen würden gezielt bedroht, aus Dörfern vertrieben oder ermordet. Besonders dramatisch sei die Situation im Sudan (Platz 4), wo infolge des Bürgerkriegs rund 9,6 Millionen Menschen auf der Flucht seien. Nigeria (Platz 7) gilt weiterhin als das „tödlichste“ Land für Christen: 3.490 der weltweit 4.849 (2024: 4.476; 2023: 4.998) dokumentierten Opfer christenfeindlicher Gewalt im Jahr 2025 wurden dort getötet.

Verfolgung auch durch Isolation und Kontrolle

Nach Angaben von Open Doors äußert sich Christenverfolgung nicht immer in offener Gewalt. In Algerien (Platz 20) etwa würden die Gemeinden nach der Schließung aller protestantischen Kirchen weiter überwacht und christliche Aktivitäten unterbunden. Mehr als drei Viertel der Christen hätten den Kontakt zu einer Gemeinde verloren. Auch in China (Platz 17) sei der staatliche Druck weiter erhöht worden. Neue Vorschriften vom September 2025 verböten den Geistlichen Online-Gottesdienste, digitale Spendensammlungen und christliche Jugendarbeit außerhalb staatlicher Kontrolle. Viele Gemeinden agierten deshalb nur noch im Untergrund.

Rode: Die Rangliste ist ein Hilferuf der verfolgten Christen

Der Geschäftsführer von Open Doors Deutschland (Kelkheim bei Frankfurt am Main), Markus Rode, betont in einer Mitteilung des Werks, dass hinter jeder Zahl des Weltverfolgungsindex Menschen stünden, die wegen ihres Glaubens litten. Die Rangliste sei ein Hilferuf: „Die entscheidende Frage ist: Hören Kirchen, Zivilgesellschaft und Politik wirklich hin – und handeln sie?“ Er ruft dazu auf, konkret zu helfen, Fürsprache zu leisten und Schutz einzufordern, insbesondere für Christen in Subsahara-Afrika. Open Doors hat hierfür eine weltweite Hilfskampagne gestartet.

Wie die Rangliste erstellt wird

Der Weltverfolgungsindex basiert auf Daten von christlichen Netzwerken, Menschenrechtsanwälten und Experten von Open Doors International. Die Forschungsabteilung der Organisation sammelt dazu Daten in fünf Lebensbereichen: Privatleben, Familienleben, gesellschaftliches Leben, Leben im Staat und kirchliches Leben. Hinzu kommt die Kategorie „Auftreten von Gewalt“. Das Ausmaß der Übergriffe wird für alle Bereiche in ein Punktesystem übertragen, um die unterschiedlichen Triebkräfte der Verfolgung in diesen Bereichen vergleichen zu können. Die Forschungsabteilung hat insgesamt neun Triebkräfte definiert, die gewaltsame und gewaltlose Verfolgung von Christen beschreiben: kommunistische Unterdrückung, säkulare Intoleranz, diktatorische Paranoia, organisierte Verbrechen und Korruption, ethnisch-religiöse Feindseligkeit, Unterdrückung durch den Clan/Stamm, konfessioneller Protektionismus, religiös motivierter Nationalismus und islamische Unterdrückung. Open Doors verweist darauf, dass es keine allgemein anerkannte rechtliche Definition des Begriffes Verfolgung gebe. Die WVI-Methodik folge „eher einer theologischen als einer soziologischen oder juristischen Definition“. Nach diesem Ansatz sei Verfolgung definiert als „jegliche Art von erlebter Anfeindung aufgrund der Identifikation einer Person mit Christus“. Die Methodik wird vom Internationalen Institut für Religionsfreiheit geprüft und zertifiziert. Open Doors engagiert sich seit 1955 durch Hilfsprojekte für verfolgte Christen in heute über 70 Ländern.

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