In der katholischen Pfarrei Heilig Geist in Koblenz-Ehrenbreitstein ist ein früher Nachdruck der Schrift „De servo arbitrio“ („Vom unfreien Willen“) des Reformators Martin Luther (1483–1546) entdeckt worden. Sie stammt aus dem Jahr 1526. Der ehrenamtliche Archivar Manfred Diehl erläuterte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA, er sei bei einer Revision zufällig auf die Schrift gestoßen. Sie sei hinter einer Erstausgabe der gegen Luthers Lehre gerichteten Schrift „De libero arbitrio“ („Vom freien Willen“) des Humanisten Erasmus von Rotterdam (1466–1536) aus dem Jahr 1524 eingebunden gewesen. Im Verzeichnis sei aber nur das Erasmus-Werk vermerkt gewesen. Vermutlich sei die Schrift Luthers zur damaligen Zeit bewusst versteckt worden, so der Koblenzer Kirchenhistoriker Prof. Thomas Schneider gegenüber IDEA: Seit 1521 sei es den Untertanen des deutschen Kaisers Karl V. (1500–1558) offiziell verboten gewesen, die Schriften des exkommunizierten und mit der Reichsacht belegten Reformators zu besitzen oder zu lesen. Luthers Erfolg als Publizist habe dem jedoch keinen Abbruch getan. Seine Schriften hätten mit Auflagen von 1.000 bis 1.500 Exemplaren eine für damalige Verhältnisse massenhafte Verbreitung gefunden.
Auseinandersetzung um den Kern der Reformation
Laut Schneider ging es bei der Auseinandersetzung zwischen Erasmus und Luther um den Kern der Reformation – nämlich um die Frage, ob der Mensch etwas zu seiner Errettung beitragen könne oder nicht. Während Luther dies vehement verneinte, habe Erasmus das Mitwirken des Menschen zu seiner Errettung nicht ganz ausgeschlossen. In einem späteren Brief sagte Luther sogar, man könne alle seine Werke verbrennen, wenn nur seine Schrift „Vom unfreien Willen“ und seine Katechismen erhalten blieben. Diehl betonte, dass es sich bei dem Fund der Luther-Schrift um einen der Höhepunkte seiner Laufbahn als ehrenamtlicher Archivar handle. Er hoffe, dass die erhöhte Aufmerksamkeit dabei helfe, bisher unklare Fragen zur Geschichte des gefundenen Exemplars aufzuklären.